Winter im Nirgendwo

Der Winter war kalt. Es hatte geschneit, wie schon lange nicht mehr. Im Wriezener Park und in dem Nirgendwo war es ruhig. Alles schien verlangsamt. Die Wege durch den Park waren allesamt vereist. Die wenigen mutigen Menschen, welche diesen Weg nahmen, taten dies belustigt oder fluchend, zumeist rutschend. Neue Gadgets hielten Einzug, alle hatten auf einmal so Metall-Spikes unter den Füßen.

Ich nicht. Ich rutschte fröhlich übers Eis und schob dabei eine Maurertuppe vor mir her. Fast wie beim Eishockey. Die Schippe war mein Schläger und die Maurertuppe rutschte vor mir auf dem Eis dahin wie der Puck. Ich war am Müll sammeln, so weit dieser nicht festgefroren war. Es war schön, wie gesagt, ruhig und kalt. Wenige Menschen, einige Tiere.

Diese hatten sich den ruhigen Park zurückerobert. Viele Spuren im Schnee zeugten davon. Es war schön und unheimlich zugleich. Ich kam mir mal wieder störend vor in der Natur. Ich schreckte einige Vögel auf, welche Rast, Unterschlupf und Versteck im Nirgendwo suchten. Es tat mir leid, dass sie wegen mir Energie verbrauchten. Die Nahrung war schließlich knapp und Wasser gab es auch kaum. Nun mussten die letzten Zieräpfel und Hagebutten dran glauben. Ein schönes Schauspiel. Einige Nachbar:innen streuten Vogelfutter auf den  Boden in den Park. Das finde ich nicht gut. Es lockt weitere Nagetiere und Hunde an. Es war schlichtweg auch zu viel. Nun gut, ich hoffe es hat geholfen. Ich habe ein paar Tassen Vogelfutter, Überbleibsel von diversen Workshops zum Thema Vögel füttern, aufgehangen, in ein paar Bäume vor dem Nirgendwo. Ich füttere nur zu dieser Jahreszeit, wenn der Park nichts Essbares mehr hergibt. Andere machen das anders. Passt auch. Ach ja, hin und wieder bieten wir bei der Aufzucht der jungen Vögel lebende Mehlwürmer an. Ausnahmsweise… (Vögel richtig füttern)

Erfreut habe ich mich an den Gesellen der Lüfte wie schon lange nicht mehr. So schön sind Ihre Spuren im Schnee, die Flügelschweif- und Federspitzen-Abdrücke waren toll anzuschauen.

Die Toleranzhöhe und Frustrationsschwelle gegenüber den Krähen und Rabenvögeln ist seit dem vergangenen Herbst schon stark gewachsen. Die Rasselbande aus ein bis fünf und manchmal mehr Krähen, hat den kompletten Laden auseinandergenommen. Hast du was angepflanzt, haben sie es wieder rausgezogen. Stauden in Töpfen können sie gar nicht leiden, oder doch? Spielen sie nur damit? Die leeren Töpfe wurden abtransportiert und zum Teil in den Beeten auf dem Stuhllager gesammelt.

Auch Beschriftungen, kleine Etiketten und Schilder werden ständig gezogen und umgruppiert. Frisch angesäte Balkonkästen wurden spätestens beim Austreiben der Keimblätter „attackiert“.

Über die vielen Wasserstellen, welche regelmäßig gereinigt werden müssen, müssen wir gar nicht reden. Wie die Fähe etwa vor 3 Jahren auch, schleppen die Krähen und Raben unheimlich viele Essensabfälle heran. Brot, Nüsse, Hühnerknochen sind fast täglich in diesen Wasserstellen zu finden.

Nun gut, dachte ich mir, hoffen wir, die lassen den Laden halbwegs stehen im Winter. Dieser hat zwar einige Schäden davongetragen, aber er steht noch.

Viel Saatgut wurde bestellt in dieser Zeit, es war gemütlich und warm zu Hause. Erste Saaten für Chili kamen ins Wasserbad und dann auf den Ofen, schön warm, bei 24-28 Grad Celsius. Am nächsten Tag dann in neue, frische Bio-Ansaat-Erde. Zwei Wochen später folgten die Tomaten, darauf die Gurken und Kürbisse. Fast jede Woche neue Ansaaten machen, auf dem Ofen zum Keimen bringen, und dann täglich in die Küche, ans Fenster mit zusätzlichem Pflanzenlicht, bringen. Alle Lichtspektren abdecken, warmweiß paar tausend Kelvin und die schönen blau-roten Pflanzlampen, die einen lila Schimmer hervorzaubern. Ich liebe es, beim Nachhausekommen im Hof das Küchenfenster lila schimmern zu sehen.

Die Pflanzen wurden größer. Jedoch kam der erste Rückschlag. Eine heftige Trauermückeninvasion streckte einiges der Ansaaten nieder.

Die Ansaaten im Nirgendwo erstreckten sich mittlerweile auf, sagen wir, einige Meter. Anfangs habe ich noch die Gitter, welche Kolleg:innen schon mal über frische umgetopfte Pflanzen oder Ansaaten legten, gelächelt. Aber jetzt mach ich das auch. Jedoch habe ich ein anderes kleines Tier dabei vergessen. Ich habe ein mini kleines Loch übersehen unter dem, oben auf zwei Tischen übereinander gesampelten Ansaaten, eine kleine Waldmaus hineinkam. So süß, so klein, so hungrig. Alle Sonnenblumensamen aufgegessen, Kapuzinerkresse und Ringelblumen, alles futsch. Yeah, die Arbeit war dann wohl wieder dahin. Nun haben wir schon abgedeckt mit den Gittern gegen die Raben und dann kommen die mini Waldmäuse. Nun gut, das gehört beim Leben in und mit der Natur dazu. Kolleg:innen anrufen, Saatgut suchen, noch mal von vorne.

Das im Frühjahr aufgebaute kleine Gewächshaus ist nun voll mit Pflanzen. Die Bedingungen sind weiter schlecht. Kalt, Regen und zu wenig Sonne. Die wenige Sonne  muss genutzt werden. Die jungen Pflanzen, manchmal auch Kinder genannt, müssen auch sonntags in die Sonne getragen werden. Hier noch eine Kontrolle auf Gießlücken machen und hoffen, dass die Raben nicht so viel zerstören während des Sonnenbades.

Warum wir uns die Arbeit und Mühe machen, erfährst du hier im Beitrag zum biodiversen Balkon. Oder bei der Balkonberatung jeden Donnerstag um 18 Uhr. Gleichgesinnte triffst Du ab 19 Uhr, beim Balkon-Stammtisch. Hoffen wir weiter auf gutes Anwachsen und vielleicht sehen wir uns beim Pflanzenshop im Nirgendwo. Öffnungszeiten findest du im Programm.

„Klaus der Gärtner“